Blog über Infektionskrankheiten

Fr

24

Jun

2016

Zecken untersuchen lassen jetzt möglich

Vollgesogene Zecke, (c) Felix Abraham via CC von Wikipedia
Vollgesogene Zecke, (c) Felix Abraham via CC von Wikipedia

Wie entferne ich die Zecke am besten?

Entfernen sie die Zecke vorsichtig mit einer Pinzette, möglichst hautnah greifen und mit einem einfache Zug herausziehen. Nicht drehen und kein Öl auftragen. Die Zecke in einem sauberen Behältnis aufbewahren, zB in einer Filmdose (falls sowas noch vorhanden ist).

 

Es sind Teile der Zecke in der Haut geblieben?

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So

31

Jan

2016

Test auf Zikavirus

Seit Kurzem ist bei uns ein Test auf Zikaviren möglich. Unser Labor kann sowohl einen direkten Erregernachweis im Blut, als auch eine Serologie durchführen. Wichtig ist bei fieberhaften Erkrankungen nach einem Süd- oder Mittelamerikaaufenthalt, auch andere Krankheiten wie Malaria, Denguefieber oder Chikungunyafieber zu berücksichtigen.

Leider ist das Testergebnis der Zikavirusserologie in manchen Fällen schwer zu interpretieren, da es zu falsch positiven Ergebnissen durch andere Infektionskrankheiten und auch durch durchgeführte Impfungen kommen kann.

Im Harn kann man bis zu zwei Wochen nach Krankheitsbeginn durch PCR Tests das Zikavirus nachgewiesen werden.

 

 

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Mi

26

Aug

2015

Zwei Fälle von Dengue in Frankreich

Vor wenigen Tagen wurden zwei Denguefieberfälle in Südfrankreich gemeldet. Beide Patienten wohnen in einem gemeinsamen Haushalt und keiner der Betroffenen war in letzter Zeit in einem Denguefiebergebiet. Daher handelt es sich definitiv um eine Dengueübertragung innerhalb Frankreichs. Beide Patienten sind bereits wieder gesund.

Es kommt regelmäßig vor, dass es in Europa (Frankreich, Spanien, Kroatien) zu vereinzelten Übertragungen von Denguefieber kommt. Das Virus ist dabei auf eine spezielle Mückenart (Aedes ssp.) angewiesen, welche in einigen Gebieten Europas heimisch geworden ist.

Es ist auch anzunehmen, dass die gemeldeten Fälle nur die Spitze des Eisberges darstellen. Ein Großteil der autochtonen (= in Europa erworbenen) Fälle von Denguefieber werden nicht erkannt. Oft besteht nur für wenige Tage ein "grippaler Infekt", sodass keine weiteren diagnostischen Schritte eingeleitet werden.

Inzwischen gibt es seitens der EU große Anstrengungen europaweit die diversen Mosquitoarten zu identifizieren und in einer Datenbank den aktuellen Stand der Verbreitung zu publizieren. 

Es gibt mehrere Tropenkrankheiten, die durch sogenannte invasive Mücken (= Mückenarten, die an und für sich in Europa nicht heimisch sind) übertragen werden können:

  • Malaria
  • Denguefieber
  • Chikungunyafieber
  • Gelbfieber

 

 

(c) ECDC/Vectornet
(c) ECDC/Vectornet

Hier ist die aktuelle Verbreitungskarte von Aedes albopictus, bei uns auch als Asiatische Tigermücke bekannt. Auffallend ist die Etablierung der Art an der kompletten europäischen Mittelmeerküste inkl. ganz Italien. In diesen Gebieten muss auch mit größeren Ausbrüchen von Denguefieber und Chikungunyafieber gerechnet werden.

In Österreich sind in den letzten Jahren nur vereinzelt Funde von Aedes ssp. gemeldet worden, daher ist es momentan unwahrscheinlich, dass es in Österreich zu einer Denguefieberansteckung kommen kann. Inwieweit sich dies im Rahmen der Klimaerwärmung ändern wird, ist unklar.

So

19

Apr

2015

Mein Malariaposter am Österreichischen Infektionskongress in Saalfelden 2015

Wie viele Jahre nach einem Tropenaufenthalt muss man noch mit einer Malaria tropica rechnen? Ein Fallbeispiel.   

Abstract - Fallbericht


Ein 24­-jähriger Patient nigerianischer Herkunft wird wegen eines fieberhaften Infektes in unserer Notfallambulanz vorstellig. Er gibt an, seit drei Tagen Fieber und Krankheitsgefühl zu haben. Neben 39,1°C Körpertemperatur ist im Labor auch eine deutliche Thrombopenie (41 G/l) auffällig. Wegen der in den Medien aktuellen Ebolaepidemie wird umgehend ein Tropenmediziner beigezogen. Obwohl der Patient angibt, zuletzt vor über drei Jahren in Afrika gewesen zu sein, wird eine Malariadiagnostik durchgeführt, welche positiv auf Pl. falciparum ist. Der weitere klinische Verlauf ist unauffällig, die Therapie der unkomplizierten Malaria tropica erfolgt mit Malarone®.


Wegen der ungewöhnlich langen ,,Inkubationszeit“ wurde von uns eine Literaturrecherche durchgeführt. Eine so späte Manifestation einer Malaria tropica ist bis jetzt nur in wenigen Einzelfällen publiziert worden. Es zeigte sich auch, dass in diversen Guidelines bezüglich der Diagnostik der Malaria auf die Möglichkeit einer Rekrudeszenz nach vielen Jahren nur unzureichend hingewiesen wird.

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Mi

09

Jul

2014

Chronische Borreliose - Arzneitelegramm 7/14

Im aktuellen Heft des Arzneitelegramm ist ein ausführlicher und ausgezeichneter Artikel zum Thema Borreliose zu lesen.  Neben der aktuellen Datenlage bezüglich Diagnose, Klinik und Therapie nimmt diese pharmaunabhängige Zeitschrift ausführlich zum Thema "chronische Borreliose" Stellung:

 

Der Begriff "chronische Borreliose" wird unterschiedlich gebraucht, in Europa teilweise für Spätmanifestationen der Erkrankung.... Besetzt wird der Begriff aber vor allem von einer Bewegung außerhalb der Schulmedizin, und er bezeichnet hier eine Erkrankung die es nach wissenschaftlichen Maßstäben gar nicht gibt. Die Lyme-Borreliose sei danach eine häufig unheilbare Erkrankung, die hauptsächlich unspezifische Symptome wie chronische Schmerzen oder Müdigkeit hervorruft, trotz chronischen Verlaufs seronegativ sein kann und die einer monate- oder jahrelanger Antibiotikatherapie bedarf. Patienten mit unspezifischen, somatisch nicht hinreichend erklärten Beschwerden, aber auch mit chronischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose wird so trotz fehlender entsprechender klinischer oder serologischer Befunde eine chronische Borrelieninfektion attestiert. Ärztliche Lyme-Aktivisten nutzen für die Pseudodiagnose unter anderem nichtvalidierte Tests wie etwas den LTT (Lymphozytentransformationstest), ein zwar grundsätzlich etabliertes Verfahren, das aber wegen der geringen Spezifität nicht zur Diagnose der Lyme-Borreliose geeignet ist.

Verfechter der "chronischen Borreliose" haben Gesellschaften wie die "Deutsche Borreliose-Gesellschaft", Stiftungen und Selbsthilfegruppen gegründet. Sie halten Kongresse ab, haben ihre eigenen Leitlinien entwickelt und fördern ihre eigene Forschung. Sie verbreiten Desinformation vor allem im Internet. Mit breiter politischer Lobbyarbeit kämpfen sie für die öffentliche Anerkennung der "verschwiegenen Epidemie" und vermeintlichen Verbesserung der Therapie für die vielen Betroffenen. Überdiagnosen und Übertherapien sind bei Lyme-Borreliose auch wegen des von Lyme-Aktivisten verbreiteten verzerrten Bildes einer chronischen Erkrankung ein Problem. Die Mehrzahl zumindest der Patienten, die mit der Verdachtsdiagnose in spezialisierten Zentren überwiesenen werden, hat gar keine Borreliose."

 

Es ist für mich als Schulmediziner erschreckend, wie selbst auf Universitäten ausgebildete Akademiker wie Hausärzte und andere Fachärzte es gelegentlich nicht schaffen Schulmedizin von "Schamanismus" zu unterscheiden. Ein nicht geringer Teil meiner täglichen Arbeit besteht daraus, den vermeintlichen Borreliosepatienten die Wissenslücken ihrer behandlenden Ärzte zu erklären.

Auch volkswirtschaftlich gesehen ist es ein Wahnsinn wie viel Geld die Krankenkassen wegen den Überdiagnosen und Übertherapien jedes Jahr bezahlen müssen. Nicht nur die Borrelienserologie auch diverse andere Serologien (Chlamydien, Candida,...) sollten nur von Spezialisten angefordert werden dürfen.

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Fr

21

Feb

2014

Denguefieber: Neuer Serotyp (DENV-5) entdeckt

Eine kleine Sensation wurde erst vor Kurzem publik: Neben den seit Jahrzehnten bekannten 4 Dengue Serotypen (DENV-1, DENV-2, DENV-3, DENV-4) wurde bei der Analyse einer Dengueepidemie aus 2007 in Malaysia ein 5. Serotyp identifiziert. Dieser konnte weder vorher noch nachher beim Menschen festgestellt werden.

Die genetische Varianz ist groß genug um von einem eigenen Serotyp zu sprechen, der Ursprung dürfte in einer Affenpopulation im Urwald sein.

Zwei Aspekte sind interessant:

 

1. Warum hat sich das Virus nicht im Menschen gehalten und hat sich weiter verbreitet?

Eine mögliche Erklärung ist, dass dieses Virus weniger Fit ist, daher es sich nicht gut genug im Homo sapiens replizieren kann, oder dass die Vektoren (Aedes sp.)  "lieber" einen anderen bereits lokal vorhandenen Serotyp übertragen.

 

2. Was bedeutet dies für die Bemühungen einen Denguefieberimpfstoff herzustellen?

Der neue Serotyp könnte einen herben Rückschlag bedeuten. Denn wenn einer der in klinischer Erprobung stehenden Impfstoffkandidaten erfolgreich die 4 "alten" Serotypen verhindern könnte, dann hätte der neue Typ eventuell ein leichteres Spiel und könnte sich weltweit verbreiten.

 

Autor: Marton Szell

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Sa

04

Jan

2014

Malariaprophylaxe oder nur stand-by?

"Muss ich wirklich jeden Tag Malarone nehmen?"

Diese Frage müssen wir Tropenmediziner bzw. Reisemediziner fast jeden Tag beantworten. Und zugegeben: ob man täglich Malariatabletten schluckt oder nur die Notfalltabletten im Rucksack bei sich führt ist keine einfache Entscheidung. Oder doch?

Zuerst aber möchte ich einige Fakten aufzählen. Diese sollten jedem Reisenden bewusst sein um die richtige Entscheidung bezüglich Malariaprophylaxe treffen zu können:

Malariaprophylaxe? Die zehn Fakten die sie wissen sollten

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So

01

Dez

2013

Homepage für Ärzte

Die Tropenordination - Tropeninstitut Wien Mitte
Homepage Die Tropenordination

Zum ersten Adventsonntag mal etwas ganz anderes. Da ich mich seit Jahren mit dem Webauftritt von diversen Ordinationen (Tropenzentrum, Die Tropenordination, Tropenmedizin Wien) beschäftige und viel Zeit mit diversen Optimierungen verbracht habe konnte ich mir doch einiges an Know How aneignen.

Habe auch einige Freunde/Bekannten/Kollegen bezüglich ihrer Homepage beraten und hab daher schon viele klassische Fehler entdeckt. Da wir im Rahmen unserer Gemeinschaftsordination (zu) viel Geld für unseren Webauftritt ausgegeben haben empfehle ich jedem der für seine Ordination eine Homepage plant sich zuerst gut zu erkundigen.

Natürlich kann sich jeder für das entsprechende Geld von 10.000 Euro und mehr von Profis ein Gesamtpaket erstellen lassen. Diese beinhalten üblicherweise neben einer Homepage auch Logogestaltung, Studiofotos, Drucksorten, Stempel, Corporate Identity, Marketing, Werbematerialien usw.

Das spart viel Zeit aber es kann trotzdem einiges schief gehen. Aus meiner Sicht ist es essentiell, dass eine gewisse Marketingstrategie von Anfang an festgelegt wird. Viele Ärzte sind damit aber einfach überfordert bzw. haben sich noch keine Gedanken darüber gemacht. Einfach mal loslegen und dann nachdenken, das können wir Ärzte am Besten. 

 

Eigentlich nicht der erste Schritt sondern die erste Frage:

 

"Woher und wie kommen die Patienten in meine Ordination?"

 

Hier sehe ich zwei Möglichkeiten einer Antwort:

 

1.

"Die Patienten kommen aus meinem Krankenhaus oder auf Empfehlung von anderen Kollegen. Die Patienten kommen wegen mir zu mir."

 

Falls das die treffende Antwort ist habt ihr Glück gehabt. Denn wenn die Patienten wegen euch in eure Ordination kommen dann reicht es neben Visitenkarten mit eurem Namen eine eher einfach gestaltete Homepage zu erstellen. Es braucht auch nicht viel Content (=Inhalte), und als Internetadresse reicht euer Name wie zb die Domain www.drmayer.at.

Auf der Homepage sollte ein Foto von euch, eure Öffnungszeiten und die Erreichbarkeit stehen. Euer Leistungsangebot sollte natürlich auch ersichtlich sein.

 

2.

"Meine Patienten kennen mich persönlich nicht aber sie sollen mich über das Internet finden"

 

Jetzt wird es kompliziert. In diesem Fall sind Domains mit dem eigenen Namen schlecht weil ja niemand nach dem Namen sucht. Die angebotene Leistung zählt und genau die muss auch in der Internetadresse erkennbar sein. Z.B. www.akupunktur-gänserndorf.at oder www.osteopathie-salzburg.at wären ideale Namen. Hier sind wir bereits beim nächsten und entscheidenden Schritt: SEO (search engine optimization)

SEO beschreibt die notwendigen Anpassungen der eigenen Homepage um von Suchmaschinen (in diesem Falle Google) hoch bewertet zu werden.

Um diese drei Buchstaben kommt niemand herum wenn man seine Kunden über das Internet erreichen will.

 

Hier eine Kurzzusammenfassung der einzelnen Punkte die man bei SEO beachten muss:

- Der Name der Domain sollte das wichtigste Keyword  (zb "Akupunktur") nach dem im Internet gesucht wird enthalten.

- Die Homepage sollte sauber und nach dem aktuellen Stand der Webstandards programmiert werden.

- Viel Content: Das bedeutet viel Text über sein medizinisches Angebot. Dieser sollte auf jeden Fall selber geschrieben sein und möglichst viel "Mehrwert" und Informationen für den Leser bieten. Blogs sind ideal.  

- Flexibel sein. Fix und fertig programmierte statische Webpages sollte man meiden. Am besten sind Lösungen wo jeder einfach selber die Inhalte ändern kann. CMS heisst da das Stichwort.

 

 

 

Einen schönen ersten Advent!

 

 

 

 Autor: Marton Szell

 

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Mo

04

Nov

2013

Haarausfall durch Denguefieber?

Nachdem mich unabhängig von einander zwei Patienten per email gefragt haben ob ihr Haarausfall durch Denguefieber verursacht sein könnte bin ich als Tropenmediziner hellhörig geworden. Eigentlich hab ich noch nie im Zusammenhang mit Denguefieber von diesem Symptom gelesen oder gehört. Also musste eine Recherche in der Fachliteratur folgen:

 

 

Im dicksten aller tropemedizinischen Bücher ("Manson"): nichts

In Wikipedia (ich gebe es zu, oft eine gute Quelle!): nichts

Im umfangreichsten medizinischen Internetportal ("up to date"): nichts

 

Ich war aber noch nicht ganz zufrieden und habe Dr. Google (Keywords: hair loss, dengue) befragt und siehe da: in einigen Foren berichten Patienten über diffusen Haarausfall nach einer Denguefieberinfektion.

 

Habe als letzte Quelle seriöser medizinischer Literatur in pubmed gesucht und da wurde ich endlich fündig: in einer brasilianischen prospektiven Studie hatten 15% der Erkrankten einen klinisch verifizierbaren Haarausfall. Interessanterweise die meisten erst im zweiten Monat nach der Erkrankung. Wahrscheinlich ist das der Grund warum in den meisten Studien der Haarausfall schlicht übersehen wurde.

Recht wenig findet man über die wohl brennendeste Frage der Betroffenen: werden die Haare wieder nachwachsen? Es scheint hier wohl auch Fälle zu geben wo der Haarverlust bleibend ist, in den meisten Fällen aber kommt es nach einigen Monaten zu einer Rückkehr der Haarpracht.

 

PS: Da ich momentan Daten zu dem Thema sammle, bitte ich Betroffene möglichst genau den zeitlichen Ablauf des Haarausfalles hier anzugeben: z.B: "Am 5.6.15 erkrankte ich an Denguefieber und genau 6 Wochen danach fiel mir der Haarausfall auf. 6 Monate nach der Erkrankung hatte ich wieder normales Haar"

 

DANKE!

 

 

 Autor: Marton Szell

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Sa

19

Okt

2013

Interessante Rede über publication bias

Eine hervorragende Rede über die Tatsache, dass nicht alle Medikamentenstudien veröffentlich werden. Leider ein wirklich großes Problem. Dies macht uns Ärzten das Leben ganz schön schwer weil wir nie genau wissen wie effektiv die von uns verschriebenen Medikamente sind.

 

 Autor: Marton Szell

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Di

15

Okt

2013

Malariadiagnostik

Die Diagnose einer Malaria ist eine wichtige Aufgabe eines jeden Tropenmediziners. Da es sich um eine schwere Erkrankung handelt darf mit der richtigen Diagnose nicht lang zugewartet werden.

 

Immer noch ist das Mikroskop das wichtigste Werkzeug dabei. In den letzten Jahren bieten diverse Schnelltest jedoch auch interessante Möglichkeiten. Zumindest die gefährlichere Malaria tropica kann recht sicher ausgeschlossen werden, daher ein negativer Schnelltest bedeutet mit einer recht hohen Sicherheit, dass der Patient keine Malaria tropica hat. 

 

Vorteil des Schnelltestes ist auch die relativ einfach Durchführung. Im Gegensatz dazu muss beim Mikroskopieren einiges an Erfahrung vorliegen.

 

Am sensitivsten ist die PCR, dies setzt jedoch ein molekularbiologisches Labor voraus und gehört daher nicht zu den Routinetest bei der Malaria.

 

 

 Autor: Marton Szell

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Mi

09

Okt

2013

Borreliose

Zecke mit Borreliose
"Zeckenbiss"

Borreliose Update 2013 (Kongressbericht)

 

Im Rahmen der ECCMID 2013 in Berlin fand auch ein interessantes Symposium zum Thema „Borreliose“ statt. Vier internationale Spezialisten präsentierten ein Update zu dieser bakteriellen Erkrankung.

Hier ist der Link zu der Zeitschrift wo dieser Artikel erschienen ist: Universum Innere Medizin

 

 
Frau Dr. Stupica (Ljubljana, Slowenien) referierte über die richtige klinische Diagnostik:
In Europa entwickeln weniger als 50% der Patienten überhaupt Symptome einer Borreliose, daher läuft in den meisten Fällen diese Erkrankung subklinisch ohne Organmanifestationen ab. Konträr dazu weisen die Daten aus den USA auf einen deutlich höheren Prozentsatz eines symptomatischen Verlaufes hin. Dies liegt in erster Linie an den unterschiedlichen Unterarten der jeweils vorkommenden Borrelien.
 
Neben dem Erythema migrans (EM, Wanderröte) sind auch das Borrelienlymphozytom und die Acrodermatitis chronica atrophicans typische Hautmanifestationen dieser Erkrankung. Speziell beim EM sind wegen des typischen Aussehens keine weiteren diagnostischen Massnahmen notwendig, es kann gleich mit einer antibiotischen Therapie begonnen werden. Die häufig von Laien gewünschte Untersuchung der asservierten Zecke sollte aus verschiedenen Gründen nicht durchgeführt werden.
 
In Europa haben Patienten mit einem EM in 20-50% auch allg. Krankheitssymptome, möglicherweise ist dies als Zeichen einer Disseminierung zu werten. Auch das Auftreten von mehreren EM an unterschiedlichen Stellen weist auf eine erfolgte Streuung hin.
 
Typisch für die „Lyme Arthritis“ ist folgendes Gelenksmuster: Asymmetrisch, plötzlicher Beginn, Schwellung, keine Rötung, grosse Gelenke. Oft ist nur ein Kniegelenk betroffen, gelegentlich auch Hüfte, Ellenbogen oder Schulter. Die kleinen Fingergelenke sind nur ausnahmsweise involviert. Diagnostisch sollte wenn möglich eine PCR des Gelenksergusses durchgeführt werden.
 
Recht neu ist die Entität der Augenborreliose. Das klinische Bild kann dabei recht unterschiedlich sein: Konjunktivitis, Uveitis, Papillitis, Keratitis. Nicht zu verwechseln ist die eigentliche Augenborreliose mit der Augenbeteiligung durch extraokuläre Paresen der Gehirnnerven VII, II, IV oder VI.
Zum Beweis der Augenborreliose kann theoretisch der Nachweis einer lokalen Antikörperbildung bzw. ein PCR-Nachweis im Kammerwasser erfolgen was jedoch in der Praxis nicht immer durchführbar ist.
 
Die Diagnose der Neuroborreliose ergibt sich einerseits aus der Klinik (Meningitis, Meningoradikulitis, Paresen der Hinrnerven) und der erhöhten Zellzahl (lymphozytär) im Liquor. Der Nachweis der intrathekalen Antikörperbildung gegen Borrelien ist beweisend für das Vorliegen einer Neuroborreliose.
 
Prof. Kristoferitsch (Wien) präsentierte einige ungewöhnliche Fälle mit Neuroborreliose. Neben den für diese Erkrankung typischen Symptomen welche unter dem Begriff Bannwarth Syndrom subsummiert werden (Meningoradikulitis und Meningoradikuloneuritis) werden sporadisch Fälle mit einer akuten transversen Myelitis, chronischer Meningitis, Opticusneuritis oder Insultsymptomatik beobachtet. Auch bei Patienten mit plötzlicher Zwerchfelllähmung konnte in Einzelfällen eine Neuroborreliose als Ursache gefunden werden.
 
Prof. Hunfeld (Frankfurt/Main, Deutschland) zeigte den offensichtlich extensiven Gebrauch der Borrelienserologien in Deutschland. Es werden jährlich über drei Millionen Borrelienserologien durchgeführt, die Gesamtkosten betragen 41 Millionen Euro. Speziell beim Erythema migrans besteht keine Indikation für die Durchführung einer Serologie, da in dieser frühen Krankheitsphase immer wieder mit falsch negativen Ergebnissen zu rechnen ist. Auch eine serologische Kontrolle nach einer abgeschlossenen Therapie sollte unterlassen werden da IgG und sogar IgM Monate bis Jahre persistieren können, ohne dass sich dadurch eine neuerliche Behandlungsindikation ergeben würde.
Kultur und PCR sind nur für spezielle Fragestellungen indiziert, beispielweise kann bei einer sehr frühen Neuroborreliose wegen der noch nicht angelaufenen intrathekalen Antikörperproduktion die Diagnose durch eine positive PCR aus dem Liquor gesichert werden.
Bei einer Lyme-Arthritis sollte die Durchführung einer Borrelien-PCR aus dem Gelenks punktat angestrebt werden, diese Untersuchung hat eine 80 bis 90%-ige Sensitivität.
Dr. Wormser (New York, USA) zeigte in seinem Vortrag die zunehmenden Zweifel in der Fachliteratur bezüglich der Existenz einer „chronischen Borreliose“ bzw. einer „post-lyme disease“. Trotz intensiver Forschungen in den letzten Jahren konnte kein Zusammenhang zwischen diesen Krankheitsbildern und Borrelien gefunden werden. Weder eine intensive Erregerdiagnostik noch eine antibiotische Therapie ist bei diesen Patienten angezeigt. 
Zusammenfassung: In den letzten Jahren hat diese erst vor relativ kurzer Zeit entdeckte bakterielle Erkrankung zunehmend ihren Mythos verloren. Sowohl die Definition der einzelnen Krankheitsbilder als auch der Workflow der Abklärung sind inzwischen gut definiert, wie auch bei anderen Infektionskrankheiten kann durch übermässige und ungezielte Diagnostik mehr Schaden als Nutzen entstehen.
 
 
 
Merksätze für die Praxis:
 
- Ein Erythema migrans ist eine klinische Diagnose, die Borrelienserologie kann in diesem Stadium der Erkrankung falsch negativ sein und soll daher nicht bestimmt werden.
 
- Ohne Klinik einer Borreliose soll auch keine weitere Diagnostik betrieben werden. Keinesfalls sollen nur reine Laborbefunde therapiert werden.
 
- Bei klinischem Verdacht auf eine Neuroborreliose ist nach wie vor die Durchführung einer Lumbalpunktion notwendig.
 
- Sowohl die IgG als auch IgM-Antikörper können jahrelang nach einer Infektion bzw. einer erfolgreicher Therapie positiv bleiben, daher keine Kontrolle der Serologie nach erfolgter Therapie.
 
 - Die „chronische Borreliose“ und „Post Lyme Disease“ sind sehr umstrittene Krankheitsbilder, in den meisten Fällen haben die vom Patienten geschilderten Symptome nichts mit einer Borrelienerkrankung zu tun.
 
 
 Autor: Marton Szell
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Fr

24

Jun

2016

Zecken untersuchen lassen jetzt möglich

Vollgesogene Zecke, (c) Felix Abraham via CC von Wikipedia
Vollgesogene Zecke, (c) Felix Abraham via CC von Wikipedia

Wie entferne ich die Zecke am besten?

Entfernen sie die Zecke vorsichtig mit einer Pinzette, möglichst hautnah greifen und mit einem einfache Zug herausziehen. Nicht drehen und kein Öl auftragen. Die Zecke in einem sauberen Behältnis aufbewahren, zB in einer Filmdose (falls sowas noch vorhanden ist).

 

Es sind Teile der Zecke in der Haut geblieben?

Dies kommt häufig vor und ist meist harmlos. In den meisten Fällen stößt der Körper, die in der Haut verbliebenen Stichwerkzeuge der Zecke ab oder kapselt sie ein. In letzterem Fall kann lebenslang ein kleiner tastbarer Knoten verbleiben, dies hat jedoch keinen Krankheitswert.

 

Die Haut ist nach dem Zeckenbiss gerötet

Eine Rötung der Haut bei einem Zeckenbiß und auch nach dem Entfernen der Zecke ist häufig. Dies entsteht durch den Fremdkörper und durch die mechanische Reizung. Dies kann auch einige Tage nach dem Entfernen der Zecke bestehen bleiben. Auf keinen Fall ist erst nach so kurzer Zeit eine Borreliose (Wanderröte) zu sehen.

 

Keine Zeckenimpfung, was tun?

Fall sie eine aufrechte (alle 5 Jahre aufgefrischte) FSME Impfung haben, ist diesbezüglich nichts weiter zu tun. Dann besteht ein sicherer Schutz gegen FSME.

Sollte die letzte Impfung länger her sein, wenden sie sich bitte an ihren Hausarzt oder an uns. 

 

Wo kann man die Zecke untersuchen lassen?

Momentan läuft eine Studie auf der Medizinischen Universität Wien. Die Zecken dürfen höchstens vor 7 Tagen entfernt worden sein. Es werden mehrere Tests mit der Zecke, aber auch mit dem "Opfer" durchgeführt.  Diese Untersuchungen sind gratis.

 

-->  Nähere Infos über diese Studie finden sie HIER.

 

 

 

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So

31

Jan

2016

Test auf Zikavirus

Seit Kurzem ist bei uns ein Test auf Zikaviren möglich. Unser Labor kann sowohl einen direkten Erregernachweis im Blut, als auch eine Serologie durchführen. Wichtig ist bei fieberhaften Erkrankungen nach einem Süd- oder Mittelamerikaaufenthalt, auch andere Krankheiten wie Malaria, Denguefieber oder Chikungunyafieber zu berücksichtigen.

Leider ist das Testergebnis der Zikavirusserologie in manchen Fällen schwer zu interpretieren, da es zu falsch positiven Ergebnissen durch andere Infektionskrankheiten und auch durch durchgeführte Impfungen kommen kann.

Im Harn kann man bis zu zwei Wochen nach Krankheitsbeginn durch PCR Tests das Zikavirus nachgewiesen werden.

 

 

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Mi

26

Aug

2015

Zwei Fälle von Dengue in Frankreich

Vor wenigen Tagen wurden zwei Denguefieberfälle in Südfrankreich gemeldet. Beide Patienten wohnen in einem gemeinsamen Haushalt und keiner der Betroffenen war in letzter Zeit in einem Denguefiebergebiet. Daher handelt es sich definitiv um eine Dengueübertragung innerhalb Frankreichs. Beide Patienten sind bereits wieder gesund.

Es kommt regelmäßig vor, dass es in Europa (Frankreich, Spanien, Kroatien) zu vereinzelten Übertragungen von Denguefieber kommt. Das Virus ist dabei auf eine spezielle Mückenart (Aedes ssp.) angewiesen, welche in einigen Gebieten Europas heimisch geworden ist.

Es ist auch anzunehmen, dass die gemeldeten Fälle nur die Spitze des Eisberges darstellen. Ein Großteil der autochtonen (= in Europa erworbenen) Fälle von Denguefieber werden nicht erkannt. Oft besteht nur für wenige Tage ein "grippaler Infekt", sodass keine weiteren diagnostischen Schritte eingeleitet werden.

Inzwischen gibt es seitens der EU große Anstrengungen europaweit die diversen Mosquitoarten zu identifizieren und in einer Datenbank den aktuellen Stand der Verbreitung zu publizieren. 

Es gibt mehrere Tropenkrankheiten, die durch sogenannte invasive Mücken (= Mückenarten, die an und für sich in Europa nicht heimisch sind) übertragen werden können:

  • Malaria
  • Denguefieber
  • Chikungunyafieber
  • Gelbfieber

 

 

(c) ECDC/Vectornet
(c) ECDC/Vectornet

Hier ist die aktuelle Verbreitungskarte von Aedes albopictus, bei uns auch als Asiatische Tigermücke bekannt. Auffallend ist die Etablierung der Art an der kompletten europäischen Mittelmeerküste inkl. ganz Italien. In diesen Gebieten muss auch mit größeren Ausbrüchen von Denguefieber und Chikungunyafieber gerechnet werden.

In Österreich sind in den letzten Jahren nur vereinzelt Funde von Aedes ssp. gemeldet worden, daher ist es momentan unwahrscheinlich, dass es in Österreich zu einer Denguefieberansteckung kommen kann. Inwieweit sich dies im Rahmen der Klimaerwärmung ändern wird, ist unklar.

So

19

Apr

2015

Mein Malariaposter am Österreichischen Infektionskongress in Saalfelden 2015

Wie viele Jahre nach einem Tropenaufenthalt muss man noch mit einer Malaria tropica rechnen? Ein Fallbeispiel.   

Abstract - Fallbericht


Ein 24­-jähriger Patient nigerianischer Herkunft wird wegen eines fieberhaften Infektes in unserer Notfallambulanz vorstellig. Er gibt an, seit drei Tagen Fieber und Krankheitsgefühl zu haben. Neben 39,1°C Körpertemperatur ist im Labor auch eine deutliche Thrombopenie (41 G/l) auffällig. Wegen der in den Medien aktuellen Ebolaepidemie wird umgehend ein Tropenmediziner beigezogen. Obwohl der Patient angibt, zuletzt vor über drei Jahren in Afrika gewesen zu sein, wird eine Malariadiagnostik durchgeführt, welche positiv auf Pl. falciparum ist. Der weitere klinische Verlauf ist unauffällig, die Therapie der unkomplizierten Malaria tropica erfolgt mit Malarone®.


Wegen der ungewöhnlich langen ,,Inkubationszeit“ wurde von uns eine Literaturrecherche durchgeführt. Eine so späte Manifestation einer Malaria tropica ist bis jetzt nur in wenigen Einzelfällen publiziert worden. Es zeigte sich auch, dass in diversen Guidelines bezüglich der Diagnostik der Malaria auf die Möglichkeit einer Rekrudeszenz nach vielen Jahren nur unzureichend hingewiesen wird.

Diskussion


Die Inkubationszeit einer Malaria tropica beträgt im Allgemeinen 8-14 Tage, längere Zeiten kommen insbesondere nach einer (insuffizienten) Malariaprophylaxe vor. Inkubationszeiten von über 2 Monaten sind sehr selten. Monate- und jahrelange Latenzen bis zur Symptomatik sind bei der Malaria tertiana häufig und durch die „Dauerformen“ in der Leber (Hypnozoiten) begründet. Auch bei der Malaria quartana sind Rekrudeszenzen bis zu mehreren Jahrzehnten dokumentiert. Bei der Malaria tropica, deren Erreger keine Hypnozoiten in der Leber bilden, sind Rekrudeszenzen nach Jahren nur in Einzelfällen beschrieben. Publiziert wurde ein Fall, bei dem es erst 9 Jahre nach Verlassen des Endemiegebietes zum Ausbruch der Erkrankung kam.


In manchen Publikationen wird auch von einer „chronic falciparum malaria“ gesprochen. Die typischen Symptome sind, neben einer chronischen Anämie und Thrombopenie, ein Hypersplenismus und  bei manchen Patienten auch wiederkehrende Krankheitssymptome wie Fieberschübe, Krankheitsgefühl oder Schüttelfrost, welche jedoch von alleine wieder sistieren. Eine Eigenheit dieser Infektion ist die sehr niedrige Parasitendichte, wodurch die Infektion leicht übersehen werden kann. Hier sind speziell für nicht geübte Laboratorien Antigenschnelltests und PCRs hilfreich.


Offen bleibt, wo sich die Malariaparasiten über Jahre hinweg „verstecken“. Am wahrscheinlichsten hierfür ist eine stetige, sehr niedrige Parasitämie, welche möglicherweise auf eine (fast) erfolgreiche Clearance durch das Immunsystem zurückzuführen ist.


Da eine „versteckte“ Malariainfektion bei Blutspenden risikoreich ist, sind die Kriterien für Spender beim Roten Kreuz klar geregelt:

Personen, die in einem Malariagebiet geboren oder aufgewachsen sind bzw. sich länger als drei Jahre aufgehalten haben, unterliegen einem permanenten Ausschluss“.


In deutschsprachigen Richtlinien der Malariadiagnostik wird auf die Möglichkeit einer jahrelangen „Inkubationszeit“ einer M. tropica hingewiesen, während dies in angloamerikanischen Guidelines nicht erwähnt wird.

Gründe für einen „Malariarückfall“

Reinfektion

Relapse (Pl. vivax und ovale)

Rekrudeszenz (Pl. falciparum und malariae)

Risikofaktoren für eine späte Rekrudeszenz 

Viele frühere Malariainfektionen/Semiimmunität

Alter

Sichelzellanämie

Genetische Faktoren: Mensch - Plasmodium?

Insuffiziente Behandlung

Zusammenfassung


Speziell bei Migranten aus einem Malariaendemiegebiet muss noch nach Jahren mit einer Rekrudeszenz einer Malaria tropica gerechnet werden.

Literatur:


Benjamin P Howden et al, Chronic falciparum malaria causing massive splenomegaly 9 years after leaving an endemic area, Med J Aust 2005; 182 (4): 186-188

Greenwood T et al, Febrile Plasmodium falciparum malaria 4 years after exposure in a man with sickle cell disease. Clin Infect Dis. 2008 Aug 15;47(4):e39-41

Collins WE et al, A retrospective examination of sporozoite- and trophozoite-induced infections with Plasmodium falciparum: development of parasitologic and clinical immunity during primary infection, Am J Trop Med Hyg. 1999 Jul;61(1 Suppl):4-19


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Mi

09

Jul

2014

Chronische Borreliose - Arzneitelegramm 7/14

Im aktuellen Heft des Arzneitelegramm ist ein ausführlicher und ausgezeichneter Artikel zum Thema Borreliose zu lesen.  Neben der aktuellen Datenlage bezüglich Diagnose, Klinik und Therapie nimmt diese pharmaunabhängige Zeitschrift ausführlich zum Thema "chronische Borreliose" Stellung:

 

Der Begriff "chronische Borreliose" wird unterschiedlich gebraucht, in Europa teilweise für Spätmanifestationen der Erkrankung.... Besetzt wird der Begriff aber vor allem von einer Bewegung außerhalb der Schulmedizin, und er bezeichnet hier eine Erkrankung die es nach wissenschaftlichen Maßstäben gar nicht gibt. Die Lyme-Borreliose sei danach eine häufig unheilbare Erkrankung, die hauptsächlich unspezifische Symptome wie chronische Schmerzen oder Müdigkeit hervorruft, trotz chronischen Verlaufs seronegativ sein kann und die einer monate- oder jahrelanger Antibiotikatherapie bedarf. Patienten mit unspezifischen, somatisch nicht hinreichend erklärten Beschwerden, aber auch mit chronischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose wird so trotz fehlender entsprechender klinischer oder serologischer Befunde eine chronische Borrelieninfektion attestiert. Ärztliche Lyme-Aktivisten nutzen für die Pseudodiagnose unter anderem nichtvalidierte Tests wie etwas den LTT (Lymphozytentransformationstest), ein zwar grundsätzlich etabliertes Verfahren, das aber wegen der geringen Spezifität nicht zur Diagnose der Lyme-Borreliose geeignet ist.

Verfechter der "chronischen Borreliose" haben Gesellschaften wie die "Deutsche Borreliose-Gesellschaft", Stiftungen und Selbsthilfegruppen gegründet. Sie halten Kongresse ab, haben ihre eigenen Leitlinien entwickelt und fördern ihre eigene Forschung. Sie verbreiten Desinformation vor allem im Internet. Mit breiter politischer Lobbyarbeit kämpfen sie für die öffentliche Anerkennung der "verschwiegenen Epidemie" und vermeintlichen Verbesserung der Therapie für die vielen Betroffenen. Überdiagnosen und Übertherapien sind bei Lyme-Borreliose auch wegen des von Lyme-Aktivisten verbreiteten verzerrten Bildes einer chronischen Erkrankung ein Problem. Die Mehrzahl zumindest der Patienten, die mit der Verdachtsdiagnose in spezialisierten Zentren überwiesenen werden, hat gar keine Borreliose."

 

Es ist für mich als Schulmediziner erschreckend, wie selbst auf Universitäten ausgebildete Akademiker wie Hausärzte und andere Fachärzte es gelegentlich nicht schaffen Schulmedizin von "Schamanismus" zu unterscheiden. Ein nicht geringer Teil meiner täglichen Arbeit besteht daraus, den vermeintlichen Borreliosepatienten die Wissenslücken ihrer behandlenden Ärzte zu erklären.

Auch volkswirtschaftlich gesehen ist es ein Wahnsinn wie viel Geld die Krankenkassen wegen den Überdiagnosen und Übertherapien jedes Jahr bezahlen müssen. Nicht nur die Borrelienserologie auch diverse andere Serologien (Chlamydien, Candida,...) sollten nur von Spezialisten angefordert werden dürfen.

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Fr

21

Feb

2014

Denguefieber: Neuer Serotyp (DENV-5) entdeckt

Eine kleine Sensation wurde erst vor Kurzem publik: Neben den seit Jahrzehnten bekannten 4 Dengue Serotypen (DENV-1, DENV-2, DENV-3, DENV-4) wurde bei der Analyse einer Dengueepidemie aus 2007 in Malaysia ein 5. Serotyp identifiziert. Dieser konnte weder vorher noch nachher beim Menschen festgestellt werden.

Die genetische Varianz ist groß genug um von einem eigenen Serotyp zu sprechen, der Ursprung dürfte in einer Affenpopulation im Urwald sein.

Zwei Aspekte sind interessant:

 

1. Warum hat sich das Virus nicht im Menschen gehalten und hat sich weiter verbreitet?

Eine mögliche Erklärung ist, dass dieses Virus weniger Fit ist, daher es sich nicht gut genug im Homo sapiens replizieren kann, oder dass die Vektoren (Aedes sp.)  "lieber" einen anderen bereits lokal vorhandenen Serotyp übertragen.

 

2. Was bedeutet dies für die Bemühungen einen Denguefieberimpfstoff herzustellen?

Der neue Serotyp könnte einen herben Rückschlag bedeuten. Denn wenn einer der in klinischer Erprobung stehenden Impfstoffkandidaten erfolgreich die 4 "alten" Serotypen verhindern könnte, dann hätte der neue Typ eventuell ein leichteres Spiel und könnte sich weltweit verbreiten.

 

Autor: Marton Szell

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Sa

04

Jan

2014

Malariaprophylaxe oder nur stand-by?

"Muss ich wirklich jeden Tag Malarone nehmen?"

Diese Frage müssen wir Tropenmediziner bzw. Reisemediziner fast jeden Tag beantworten. Und zugegeben: ob man täglich Malariatabletten schluckt oder nur die Notfalltabletten im Rucksack bei sich führt ist keine einfache Entscheidung. Oder doch?

Zuerst aber möchte ich einige Fakten aufzählen. Diese sollten jedem Reisenden bewusst sein um die richtige Entscheidung bezüglich Malariaprophylaxe treffen zu können:

Malariaprophylaxe? Die zehn Fakten die sie wissen sollten

1. Malariatabletten sind besser als ihr Ruf. Zum Beispiel wird Malarone ausgezeichnet vertragen, Nebenwirkungen sind nur sehr selten.

 

2. In vielen Urlaubsregionen ist die Malariagefahr in den letzten 20 Jahren deutlich zurückgegangen. Dies gilt zum Beispiel für das Amazonasgebiet aber auch für viele Urlaubsdestinationen SO-Asiens.

 

3. Malaria ist nicht gleich Malaria. Speziell im tropischen Afrika ist die Malaria tropica die vorherrschende Art. Diese kann binnen weniger Tage zu einer sehr schweren Erkrankung führen. 

 

4. Wenn sie mit einer Reisegruppe unterwegs sind und sie an Malaria erkranken, können sie möglicherweise für einige Tage nicht weiterreisen.  Werden sie zurückgelassen oder muss die ganze Gruppe bleiben?

 

5.  Die Weltgesundheitsorganisation hat mehrfach in Studien festgestellt, dass speziell in Afrika viele gefälschte Malariatabletten in Umlauf sind. Sich auf lokale Medikamente zu verlassen ist aus meiner Sicht eine ganz schlechte Option.

 

6. Der Ausbildungsstandard der Ärzte in den tropischen Ländern ist generell schlecht. Sich darauf zu verlassen, dass ein indischer Arzt in einem kleinen Dorf mit seinem billigen Mikroskop die Malariaerreger identifizieren kann, ist aus meiner Sicht sehr mutig.

 

7. Während eines Malariaschubes kommt es auch häufig zu Magen-Darm-Beschwerden. Nicht selten werden Tabletten gegen Malaria sofort wieder erbrochen. Was dann?

 

8. Mit maximalem Schutz vor Mosquitos (Repellents, Imprägnierung der Kleidung, Mosquitonetz, langärmlig,...) kann man einen bis zu 90%igen Schutz gegen von Mücken übertragbaren Krankheiten erreichen. Nur aus eigener Erfahrung weiss ich, dass man im Laufe der Zeit immer lockerer mit diesen Methoden umgeht. Wer geht schon gerne am abend bei 30 Grad mit langen Hosen und langärmligem T-Shirt zum Abendessen?

 

9. Malaria kann ein Laie (und um ehrlich zu sein auch ein Tropenmediziner) nur sehr schwer an sich selber diagnostizieren. Ob Malaria, Denguefieber, Lungenentzündung oder Influenza: Man hat sehr hohes Fieber und fühlt sich krank. Wenn man die Malarianotfalltabletten einnimmt und es ist doch eine Lungenentzündung, was dann? Sicherheitshalber noch Antibiotika dazu einnehmen?

 

10. Malariatabletten sind angeblich teuer und haben viele Nebenwirkungen. Das stimmt so auch wieder nicht. Beispielsweise ist Doxycyclin sehr günstig und dabei hoch wirksam. Natürlich haben alle Malariamedikamente spezielle Vor- und Nachteile. Und genau die gilt es mit einem Tropenmediziner zu besprechen.

 

Die Beratung ist wichtig

Um den Reisenden gut beraten zu können möchte ich von ihm mehrere Sachen wissen:

 

1.  Welches Gebiet bereist er? Hohes oder niedriges Risikogebiet?

2.  Wie weit entfernt er sich von Krankenhäusern wo eine schwere Malaria richtig behandelt werden könnte?

3. Wie lange dauert die Reise?

4. Gibt es neben dem Alter des Reisenden noch andere Faktoren die eine Malaria rasch gefährlich machen könnte wie z.B. eine Immunschwäche?

5. Finanzielle Möglichkeiten des Reisenden.

Um es kurz zu fassen: Der Reisende muss selber entscheiden wie er sich vor Malaria schützen will. Meine Aufgabe ist es ihn dabei zu unterstützen und ihn über alle Fakten und Eventualitäten aufzuklären.

 

Aus meiner Sicht aber sollte in Gebieten mit hohem Malariarisiko und schlechter medizinischer Versorgung (z.B. Kenia oder Tansania) eine durchgehende Malariaprophylaxe eingenommen werden.

 

Speziell für Langzeitaufenthalte oder bei Reisen mit Kleinkindern oder Schwangeren ist eine ausführliche Malariaberatung unbedingt notwendig. Aber auch Reisende in entlegene Gebiete (Dschungeltour oder Safari) sollten einen Tropenmediziner vor der Abreise konsultieren.

 

 

Gerne beraten wir Sie in unserer Tropenordination in Wien ausführlich. Machen sie sich einen Beratungstermin aus.

 

 


Autor: Marton Széll

 

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So

01

Dez

2013

Homepage für Ärzte

Die Tropenordination - Tropeninstitut Wien Mitte
Homepage Die Tropenordination

Zum ersten Adventsonntag mal etwas ganz anderes. Da ich mich seit Jahren mit dem Webauftritt von diversen Ordinationen (Tropenzentrum, Die Tropenordination, Tropenmedizin Wien) beschäftige und viel Zeit mit diversen Optimierungen verbracht habe konnte ich mir doch einiges an Know How aneignen.

Habe auch einige Freunde/Bekannten/Kollegen bezüglich ihrer Homepage beraten und hab daher schon viele klassische Fehler entdeckt. Da wir im Rahmen unserer Gemeinschaftsordination (zu) viel Geld für unseren Webauftritt ausgegeben haben empfehle ich jedem der für seine Ordination eine Homepage plant sich zuerst gut zu erkundigen.

Natürlich kann sich jeder für das entsprechende Geld von 10.000 Euro und mehr von Profis ein Gesamtpaket erstellen lassen. Diese beinhalten üblicherweise neben einer Homepage auch Logogestaltung, Studiofotos, Drucksorten, Stempel, Corporate Identity, Marketing, Werbematerialien usw.

Das spart viel Zeit aber es kann trotzdem einiges schief gehen. Aus meiner Sicht ist es essentiell, dass eine gewisse Marketingstrategie von Anfang an festgelegt wird. Viele Ärzte sind damit aber einfach überfordert bzw. haben sich noch keine Gedanken darüber gemacht. Einfach mal loslegen und dann nachdenken, das können wir Ärzte am Besten. 

 

Eigentlich nicht der erste Schritt sondern die erste Frage:

 

"Woher und wie kommen die Patienten in meine Ordination?"

 

Hier sehe ich zwei Möglichkeiten einer Antwort:

 

1.

"Die Patienten kommen aus meinem Krankenhaus oder auf Empfehlung von anderen Kollegen. Die Patienten kommen wegen mir zu mir."

 

Falls das die treffende Antwort ist habt ihr Glück gehabt. Denn wenn die Patienten wegen euch in eure Ordination kommen dann reicht es neben Visitenkarten mit eurem Namen eine eher einfach gestaltete Homepage zu erstellen. Es braucht auch nicht viel Content (=Inhalte), und als Internetadresse reicht euer Name wie zb die Domain www.drmayer.at.

Auf der Homepage sollte ein Foto von euch, eure Öffnungszeiten und die Erreichbarkeit stehen. Euer Leistungsangebot sollte natürlich auch ersichtlich sein.

 

2.

"Meine Patienten kennen mich persönlich nicht aber sie sollen mich über das Internet finden"

 

Jetzt wird es kompliziert. In diesem Fall sind Domains mit dem eigenen Namen schlecht weil ja niemand nach dem Namen sucht. Die angebotene Leistung zählt und genau die muss auch in der Internetadresse erkennbar sein. Z.B. www.akupunktur-gänserndorf.at oder www.osteopathie-salzburg.at wären ideale Namen. Hier sind wir bereits beim nächsten und entscheidenden Schritt: SEO (search engine optimization)

SEO beschreibt die notwendigen Anpassungen der eigenen Homepage um von Suchmaschinen (in diesem Falle Google) hoch bewertet zu werden.

Um diese drei Buchstaben kommt niemand herum wenn man seine Kunden über das Internet erreichen will.

 

Hier eine Kurzzusammenfassung der einzelnen Punkte die man bei SEO beachten muss:

- Der Name der Domain sollte das wichtigste Keyword  (zb "Akupunktur") nach dem im Internet gesucht wird enthalten.

- Die Homepage sollte sauber und nach dem aktuellen Stand der Webstandards programmiert werden.

- Viel Content: Das bedeutet viel Text über sein medizinisches Angebot. Dieser sollte auf jeden Fall selber geschrieben sein und möglichst viel "Mehrwert" und Informationen für den Leser bieten. Blogs sind ideal.  

- Flexibel sein. Fix und fertig programmierte statische Webpages sollte man meiden. Am besten sind Lösungen wo jeder einfach selber die Inhalte ändern kann. CMS heisst da das Stichwort.

 

 

 

Einen schönen ersten Advent!

 

 

 

 Autor: Marton Szell

 

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Mo

04

Nov

2013

Haarausfall durch Denguefieber?

Nachdem mich unabhängig von einander zwei Patienten per email gefragt haben ob ihr Haarausfall durch Denguefieber verursacht sein könnte bin ich als Tropenmediziner hellhörig geworden. Eigentlich hab ich noch nie im Zusammenhang mit Denguefieber von diesem Symptom gelesen oder gehört. Also musste eine Recherche in der Fachliteratur folgen:

 

 

Im dicksten aller tropemedizinischen Bücher ("Manson"): nichts

In Wikipedia (ich gebe es zu, oft eine gute Quelle!): nichts

Im umfangreichsten medizinischen Internetportal ("up to date"): nichts

 

Ich war aber noch nicht ganz zufrieden und habe Dr. Google (Keywords: hair loss, dengue) befragt und siehe da: in einigen Foren berichten Patienten über diffusen Haarausfall nach einer Denguefieberinfektion.

 

Habe als letzte Quelle seriöser medizinischer Literatur in pubmed gesucht und da wurde ich endlich fündig: in einer brasilianischen prospektiven Studie hatten 15% der Erkrankten einen klinisch verifizierbaren Haarausfall. Interessanterweise die meisten erst im zweiten Monat nach der Erkrankung. Wahrscheinlich ist das der Grund warum in den meisten Studien der Haarausfall schlicht übersehen wurde.

Recht wenig findet man über die wohl brennendeste Frage der Betroffenen: werden die Haare wieder nachwachsen? Es scheint hier wohl auch Fälle zu geben wo der Haarverlust bleibend ist, in den meisten Fällen aber kommt es nach einigen Monaten zu einer Rückkehr der Haarpracht.

 

PS: Da ich momentan Daten zu dem Thema sammle, bitte ich Betroffene möglichst genau den zeitlichen Ablauf des Haarausfalles hier anzugeben: z.B: "Am 5.6.15 erkrankte ich an Denguefieber und genau 6 Wochen danach fiel mir der Haarausfall auf. 6 Monate nach der Erkrankung hatte ich wieder normales Haar"

 

DANKE!

 

 

 Autor: Marton Szell

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Sa

19

Okt

2013

Interessante Rede über publication bias

Eine hervorragende Rede über die Tatsache, dass nicht alle Medikamentenstudien veröffentlich werden. Leider ein wirklich großes Problem. Dies macht uns Ärzten das Leben ganz schön schwer weil wir nie genau wissen wie effektiv die von uns verschriebenen Medikamente sind.

 

 Autor: Marton Szell

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Di

15

Okt

2013

Malariadiagnostik

Die Diagnose einer Malaria ist eine wichtige Aufgabe eines jeden Tropenmediziners. Da es sich um eine schwere Erkrankung handelt darf mit der richtigen Diagnose nicht lang zugewartet werden.

 

Immer noch ist das Mikroskop das wichtigste Werkzeug dabei. In den letzten Jahren bieten diverse Schnelltest jedoch auch interessante Möglichkeiten. Zumindest die gefährlichere Malaria tropica kann recht sicher ausgeschlossen werden, daher ein negativer Schnelltest bedeutet mit einer recht hohen Sicherheit, dass der Patient keine Malaria tropica hat. 

 

Vorteil des Schnelltestes ist auch die relativ einfach Durchführung. Im Gegensatz dazu muss beim Mikroskopieren einiges an Erfahrung vorliegen.

 

Am sensitivsten ist die PCR, dies setzt jedoch ein molekularbiologisches Labor voraus und gehört daher nicht zu den Routinetest bei der Malaria.

 

 

 Autor: Marton Szell

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Mi

09

Okt

2013

Borreliose

Zecke mit Borreliose
"Zeckenbiss"

Borreliose Update 2013 (Kongressbericht)

 

Im Rahmen der ECCMID 2013 in Berlin fand auch ein interessantes Symposium zum Thema „Borreliose“ statt. Vier internationale Spezialisten präsentierten ein Update zu dieser bakteriellen Erkrankung.

Hier ist der Link zu der Zeitschrift wo dieser Artikel erschienen ist: Universum Innere Medizin

 

 
Frau Dr. Stupica (Ljubljana, Slowenien) referierte über die richtige klinische Diagnostik:
In Europa entwickeln weniger als 50% der Patienten überhaupt Symptome einer Borreliose, daher läuft in den meisten Fällen diese Erkrankung subklinisch ohne Organmanifestationen ab. Konträr dazu weisen die Daten aus den USA auf einen deutlich höheren Prozentsatz eines symptomatischen Verlaufes hin. Dies liegt in erster Linie an den unterschiedlichen Unterarten der jeweils vorkommenden Borrelien.
 
Neben dem Erythema migrans (EM, Wanderröte) sind auch das Borrelienlymphozytom und die Acrodermatitis chronica atrophicans typische Hautmanifestationen dieser Erkrankung. Speziell beim EM sind wegen des typischen Aussehens keine weiteren diagnostischen Massnahmen notwendig, es kann gleich mit einer antibiotischen Therapie begonnen werden. Die häufig von Laien gewünschte Untersuchung der asservierten Zecke sollte aus verschiedenen Gründen nicht durchgeführt werden.
 
In Europa haben Patienten mit einem EM in 20-50% auch allg. Krankheitssymptome, möglicherweise ist dies als Zeichen einer Disseminierung zu werten. Auch das Auftreten von mehreren EM an unterschiedlichen Stellen weist auf eine erfolgte Streuung hin.
 
Typisch für die „Lyme Arthritis“ ist folgendes Gelenksmuster: Asymmetrisch, plötzlicher Beginn, Schwellung, keine Rötung, grosse Gelenke. Oft ist nur ein Kniegelenk betroffen, gelegentlich auch Hüfte, Ellenbogen oder Schulter. Die kleinen Fingergelenke sind nur ausnahmsweise involviert. Diagnostisch sollte wenn möglich eine PCR des Gelenksergusses durchgeführt werden.
 
Recht neu ist die Entität der Augenborreliose. Das klinische Bild kann dabei recht unterschiedlich sein: Konjunktivitis, Uveitis, Papillitis, Keratitis. Nicht zu verwechseln ist die eigentliche Augenborreliose mit der Augenbeteiligung durch extraokuläre Paresen der Gehirnnerven VII, II, IV oder VI.
Zum Beweis der Augenborreliose kann theoretisch der Nachweis einer lokalen Antikörperbildung bzw. ein PCR-Nachweis im Kammerwasser erfolgen was jedoch in der Praxis nicht immer durchführbar ist.
 
Die Diagnose der Neuroborreliose ergibt sich einerseits aus der Klinik (Meningitis, Meningoradikulitis, Paresen der Hinrnerven) und der erhöhten Zellzahl (lymphozytär) im Liquor. Der Nachweis der intrathekalen Antikörperbildung gegen Borrelien ist beweisend für das Vorliegen einer Neuroborreliose.
 
Prof. Kristoferitsch (Wien) präsentierte einige ungewöhnliche Fälle mit Neuroborreliose. Neben den für diese Erkrankung typischen Symptomen welche unter dem Begriff Bannwarth Syndrom subsummiert werden (Meningoradikulitis und Meningoradikuloneuritis) werden sporadisch Fälle mit einer akuten transversen Myelitis, chronischer Meningitis, Opticusneuritis oder Insultsymptomatik beobachtet. Auch bei Patienten mit plötzlicher Zwerchfelllähmung konnte in Einzelfällen eine Neuroborreliose als Ursache gefunden werden.
 
Prof. Hunfeld (Frankfurt/Main, Deutschland) zeigte den offensichtlich extensiven Gebrauch der Borrelienserologien in Deutschland. Es werden jährlich über drei Millionen Borrelienserologien durchgeführt, die Gesamtkosten betragen 41 Millionen Euro. Speziell beim Erythema migrans besteht keine Indikation für die Durchführung einer Serologie, da in dieser frühen Krankheitsphase immer wieder mit falsch negativen Ergebnissen zu rechnen ist. Auch eine serologische Kontrolle nach einer abgeschlossenen Therapie sollte unterlassen werden da IgG und sogar IgM Monate bis Jahre persistieren können, ohne dass sich dadurch eine neuerliche Behandlungsindikation ergeben würde.
Kultur und PCR sind nur für spezielle Fragestellungen indiziert, beispielweise kann bei einer sehr frühen Neuroborreliose wegen der noch nicht angelaufenen intrathekalen Antikörperproduktion die Diagnose durch eine positive PCR aus dem Liquor gesichert werden.
Bei einer Lyme-Arthritis sollte die Durchführung einer Borrelien-PCR aus dem Gelenks punktat angestrebt werden, diese Untersuchung hat eine 80 bis 90%-ige Sensitivität.
Dr. Wormser (New York, USA) zeigte in seinem Vortrag die zunehmenden Zweifel in der Fachliteratur bezüglich der Existenz einer „chronischen Borreliose“ bzw. einer „post-lyme disease“. Trotz intensiver Forschungen in den letzten Jahren konnte kein Zusammenhang zwischen diesen Krankheitsbildern und Borrelien gefunden werden. Weder eine intensive Erregerdiagnostik noch eine antibiotische Therapie ist bei diesen Patienten angezeigt. 
Zusammenfassung: In den letzten Jahren hat diese erst vor relativ kurzer Zeit entdeckte bakterielle Erkrankung zunehmend ihren Mythos verloren. Sowohl die Definition der einzelnen Krankheitsbilder als auch der Workflow der Abklärung sind inzwischen gut definiert, wie auch bei anderen Infektionskrankheiten kann durch übermässige und ungezielte Diagnostik mehr Schaden als Nutzen entstehen.
 
 
 
Merksätze für die Praxis:
 
- Ein Erythema migrans ist eine klinische Diagnose, die Borrelienserologie kann in diesem Stadium der Erkrankung falsch negativ sein und soll daher nicht bestimmt werden.
 
- Ohne Klinik einer Borreliose soll auch keine weitere Diagnostik betrieben werden. Keinesfalls sollen nur reine Laborbefunde therapiert werden.
 
- Bei klinischem Verdacht auf eine Neuroborreliose ist nach wie vor die Durchführung einer Lumbalpunktion notwendig.
 
- Sowohl die IgG als auch IgM-Antikörper können jahrelang nach einer Infektion bzw. einer erfolgreicher Therapie positiv bleiben, daher keine Kontrolle der Serologie nach erfolgter Therapie.
 
 - Die „chronische Borreliose“ und „Post Lyme Disease“ sind sehr umstrittene Krankheitsbilder, in den meisten Fällen haben die vom Patienten geschilderten Symptome nichts mit einer Borrelienerkrankung zu tun.
 
 
 Autor: Marton Szell
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Fr

24

Jun

2016

Zecken untersuchen lassen jetzt möglich

Vollgesogene Zecke, (c) Felix Abraham via CC von Wikipedia
Vollgesogene Zecke, (c) Felix Abraham via CC von Wikipedia

Wie entferne ich die Zecke am besten?

Entfernen sie die Zecke vorsichtig mit einer Pinzette, möglichst hautnah greifen und mit einem einfache Zug herausziehen. Nicht drehen und kein Öl auftragen. Die Zecke in einem sauberen Behältnis aufbewahren, zB in einer Filmdose (falls sowas noch vorhanden ist).

 

Es sind Teile der Zecke in der Haut geblieben?

Dies kommt häufig vor und ist meist harmlos. In den meisten Fällen stößt der Körper, die in der Haut verbliebenen Stichwerkzeuge der Zecke ab oder kapselt sie ein. In letzterem Fall kann lebenslang ein kleiner tastbarer Knoten verbleiben, dies hat jedoch keinen Krankheitswert.

 

Die Haut ist nach dem Zeckenbiss gerötet

Eine Rötung der Haut bei einem Zeckenbiß und auch nach dem Entfernen der Zecke ist häufig. Dies entsteht durch den Fremdkörper und durch die mechanische Reizung. Dies kann auch einige Tage nach dem Entfernen der Zecke bestehen bleiben. Auf keinen Fall ist erst nach so kurzer Zeit eine Borreliose (Wanderröte) zu sehen.

 

Keine Zeckenimpfung, was tun?

Fall sie eine aufrechte (alle 5 Jahre aufgefrischte) FSME Impfung haben, ist diesbezüglich nichts weiter zu tun. Dann besteht ein sicherer Schutz gegen FSME.

Sollte die letzte Impfung länger her sein, wenden sie sich bitte an ihren Hausarzt oder an uns. 

 

Wo kann man die Zecke untersuchen lassen?

Momentan läuft eine Studie auf der Medizinischen Universität Wien. Die Zecken dürfen höchstens vor 7 Tagen entfernt worden sein. Es werden mehrere Tests mit der Zecke, aber auch mit dem "Opfer" durchgeführt.  Diese Untersuchungen sind gratis.

 

-->  Nähere Infos über diese Studie finden sie HIER.

 

 

 

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So

31

Jan

2016

Test auf Zikavirus

Seit Kurzem ist bei uns ein Test auf Zikaviren möglich. Unser Labor kann sowohl einen direkten Erregernachweis im Blut, als auch eine Serologie durchführen. Wichtig ist bei fieberhaften Erkrankungen nach einem Süd- oder Mittelamerikaaufenthalt, auch andere Krankheiten wie Malaria, Denguefieber oder Chikungunyafieber zu berücksichtigen.

Leider ist das Testergebnis der Zikavirusserologie in manchen Fällen schwer zu interpretieren, da es zu falsch positiven Ergebnissen durch andere Infektionskrankheiten und auch durch durchgeführte Impfungen kommen kann.

Im Harn kann man bis zu zwei Wochen nach Krankheitsbeginn durch PCR Tests das Zikavirus nachgewiesen werden.

 

 

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Mi

26

Aug

2015

Zwei Fälle von Dengue in Frankreich

Vor wenigen Tagen wurden zwei Denguefieberfälle in Südfrankreich gemeldet. Beide Patienten wohnen in einem gemeinsamen Haushalt und keiner der Betroffenen war in letzter Zeit in einem Denguefiebergebiet. Daher handelt es sich definitiv um eine Dengueübertragung innerhalb Frankreichs. Beide Patienten sind bereits wieder gesund.

Es kommt regelmäßig vor, dass es in Europa (Frankreich, Spanien, Kroatien) zu vereinzelten Übertragungen von Denguefieber kommt. Das Virus ist dabei auf eine spezielle Mückenart (Aedes ssp.) angewiesen, welche in einigen Gebieten Europas heimisch geworden ist.

Es ist auch anzunehmen, dass die gemeldeten Fälle nur die Spitze des Eisberges darstellen. Ein Großteil der autochtonen (= in Europa erworbenen) Fälle von Denguefieber werden nicht erkannt. Oft besteht nur für wenige Tage ein "grippaler Infekt", sodass keine weiteren diagnostischen Schritte eingeleitet werden.

Inzwischen gibt es seitens der EU große Anstrengungen europaweit die diversen Mosquitoarten zu identifizieren und in einer Datenbank den aktuellen Stand der Verbreitung zu publizieren. 

Es gibt mehrere Tropenkrankheiten, die durch sogenannte invasive Mücken (= Mückenarten, die an und für sich in Europa nicht heimisch sind) übertragen werden können:

  • Malaria
  • Denguefieber
  • Chikungunyafieber
  • Gelbfieber

 

 

(c) ECDC/Vectornet
(c) ECDC/Vectornet

Hier ist die aktuelle Verbreitungskarte von Aedes albopictus, bei uns auch als Asiatische Tigermücke bekannt. Auffallend ist die Etablierung der Art an der kompletten europäischen Mittelmeerküste inkl. ganz Italien. In diesen Gebieten muss auch mit größeren Ausbrüchen von Denguefieber und Chikungunyafieber gerechnet werden.

In Österreich sind in den letzten Jahren nur vereinzelt Funde von Aedes ssp. gemeldet worden, daher ist es momentan unwahrscheinlich, dass es in Österreich zu einer Denguefieberansteckung kommen kann. Inwieweit sich dies im Rahmen der Klimaerwärmung ändern wird, ist unklar.

So

19

Apr

2015

Mein Malariaposter am Österreichischen Infektionskongress in Saalfelden 2015

Wie viele Jahre nach einem Tropenaufenthalt muss man noch mit einer Malaria tropica rechnen? Ein Fallbeispiel.   

Abstract - Fallbericht


Ein 24­-jähriger Patient nigerianischer Herkunft wird wegen eines fieberhaften Infektes in unserer Notfallambulanz vorstellig. Er gibt an, seit drei Tagen Fieber und Krankheitsgefühl zu haben. Neben 39,1°C Körpertemperatur ist im Labor auch eine deutliche Thrombopenie (41 G/l) auffällig. Wegen der in den Medien aktuellen Ebolaepidemie wird umgehend ein Tropenmediziner beigezogen. Obwohl der Patient angibt, zuletzt vor über drei Jahren in Afrika gewesen zu sein, wird eine Malariadiagnostik durchgeführt, welche positiv auf Pl. falciparum ist. Der weitere klinische Verlauf ist unauffällig, die Therapie der unkomplizierten Malaria tropica erfolgt mit Malarone®.


Wegen der ungewöhnlich langen ,,Inkubationszeit“ wurde von uns eine Literaturrecherche durchgeführt. Eine so späte Manifestation einer Malaria tropica ist bis jetzt nur in wenigen Einzelfällen publiziert worden. Es zeigte sich auch, dass in diversen Guidelines bezüglich der Diagnostik der Malaria auf die Möglichkeit einer Rekrudeszenz nach vielen Jahren nur unzureichend hingewiesen wird.

Diskussion


Die Inkubationszeit einer Malaria tropica beträgt im Allgemeinen 8-14 Tage, längere Zeiten kommen insbesondere nach einer (insuffizienten) Malariaprophylaxe vor. Inkubationszeiten von über 2 Monaten sind sehr selten. Monate- und jahrelange Latenzen bis zur Symptomatik sind bei der Malaria tertiana häufig und durch die „Dauerformen“ in der Leber (Hypnozoiten) begründet. Auch bei der Malaria quartana sind Rekrudeszenzen bis zu mehreren Jahrzehnten dokumentiert. Bei der Malaria tropica, deren Erreger keine Hypnozoiten in der Leber bilden, sind Rekrudeszenzen nach Jahren nur in Einzelfällen beschrieben. Publiziert wurde ein Fall, bei dem es erst 9 Jahre nach Verlassen des Endemiegebietes zum Ausbruch der Erkrankung kam.


In manchen Publikationen wird auch von einer „chronic falciparum malaria“ gesprochen. Die typischen Symptome sind, neben einer chronischen Anämie und Thrombopenie, ein Hypersplenismus und  bei manchen Patienten auch wiederkehrende Krankheitssymptome wie Fieberschübe, Krankheitsgefühl oder Schüttelfrost, welche jedoch von alleine wieder sistieren. Eine Eigenheit dieser Infektion ist die sehr niedrige Parasitendichte, wodurch die Infektion leicht übersehen werden kann. Hier sind speziell für nicht geübte Laboratorien Antigenschnelltests und PCRs hilfreich.


Offen bleibt, wo sich die Malariaparasiten über Jahre hinweg „verstecken“. Am wahrscheinlichsten hierfür ist eine stetige, sehr niedrige Parasitämie, welche möglicherweise auf eine (fast) erfolgreiche Clearance durch das Immunsystem zurückzuführen ist.


Da eine „versteckte“ Malariainfektion bei Blutspenden risikoreich ist, sind die Kriterien für Spender beim Roten Kreuz klar geregelt:

Personen, die in einem Malariagebiet geboren oder aufgewachsen sind bzw. sich länger als drei Jahre aufgehalten haben, unterliegen einem permanenten Ausschluss“.


In deutschsprachigen Richtlinien der Malariadiagnostik wird auf die Möglichkeit einer jahrelangen „Inkubationszeit“ einer M. tropica hingewiesen, während dies in angloamerikanischen Guidelines nicht erwähnt wird.

Gründe für einen „Malariarückfall“

Reinfektion

Relapse (Pl. vivax und ovale)

Rekrudeszenz (Pl. falciparum und malariae)

Risikofaktoren für eine späte Rekrudeszenz 

Viele frühere Malariainfektionen/Semiimmunität

Alter

Sichelzellanämie

Genetische Faktoren: Mensch - Plasmodium?

Insuffiziente Behandlung

Zusammenfassung


Speziell bei Migranten aus einem Malariaendemiegebiet muss noch nach Jahren mit einer Rekrudeszenz einer Malaria tropica gerechnet werden.

Literatur:


Benjamin P Howden et al, Chronic falciparum malaria causing massive splenomegaly 9 years after leaving an endemic area, Med J Aust 2005; 182 (4): 186-188

Greenwood T et al, Febrile Plasmodium falciparum malaria 4 years after exposure in a man with sickle cell disease. Clin Infect Dis. 2008 Aug 15;47(4):e39-41

Collins WE et al, A retrospective examination of sporozoite- and trophozoite-induced infections with Plasmodium falciparum: development of parasitologic and clinical immunity during primary infection, Am J Trop Med Hyg. 1999 Jul;61(1 Suppl):4-19


Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.

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Mi

09

Jul

2014

Chronische Borreliose - Arzneitelegramm 7/14

Im aktuellen Heft des Arzneitelegramm ist ein ausführlicher und ausgezeichneter Artikel zum Thema Borreliose zu lesen.  Neben der aktuellen Datenlage bezüglich Diagnose, Klinik und Therapie nimmt diese pharmaunabhängige Zeitschrift ausführlich zum Thema "chronische Borreliose" Stellung:

 

Der Begriff "chronische Borreliose" wird unterschiedlich gebraucht, in Europa teilweise für Spätmanifestationen der Erkrankung.... Besetzt wird der Begriff aber vor allem von einer Bewegung außerhalb der Schulmedizin, und er bezeichnet hier eine Erkrankung die es nach wissenschaftlichen Maßstäben gar nicht gibt. Die Lyme-Borreliose sei danach eine häufig unheilbare Erkrankung, die hauptsächlich unspezifische Symptome wie chronische Schmerzen oder Müdigkeit hervorruft, trotz chronischen Verlaufs seronegativ sein kann und die einer monate- oder jahrelanger Antibiotikatherapie bedarf. Patienten mit unspezifischen, somatisch nicht hinreichend erklärten Beschwerden, aber auch mit chronischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose wird so trotz fehlender entsprechender klinischer oder serologischer Befunde eine chronische Borrelieninfektion attestiert. Ärztliche Lyme-Aktivisten nutzen für die Pseudodiagnose unter anderem nichtvalidierte Tests wie etwas den LTT (Lymphozytentransformationstest), ein zwar grundsätzlich etabliertes Verfahren, das aber wegen der geringen Spezifität nicht zur Diagnose der Lyme-Borreliose geeignet ist.

Verfechter der "chronischen Borreliose" haben Gesellschaften wie die "Deutsche Borreliose-Gesellschaft", Stiftungen und Selbsthilfegruppen gegründet. Sie halten Kongresse ab, haben ihre eigenen Leitlinien entwickelt und fördern ihre eigene Forschung. Sie verbreiten Desinformation vor allem im Internet. Mit breiter politischer Lobbyarbeit kämpfen sie für die öffentliche Anerkennung der "verschwiegenen Epidemie" und vermeintlichen Verbesserung der Therapie für die vielen Betroffenen. Überdiagnosen und Übertherapien sind bei Lyme-Borreliose auch wegen des von Lyme-Aktivisten verbreiteten verzerrten Bildes einer chronischen Erkrankung ein Problem. Die Mehrzahl zumindest der Patienten, die mit der Verdachtsdiagnose in spezialisierten Zentren überwiesenen werden, hat gar keine Borreliose."

 

Es ist für mich als Schulmediziner erschreckend, wie selbst auf Universitäten ausgebildete Akademiker wie Hausärzte und andere Fachärzte es gelegentlich nicht schaffen Schulmedizin von "Schamanismus" zu unterscheiden. Ein nicht geringer Teil meiner täglichen Arbeit besteht daraus, den vermeintlichen Borreliosepatienten die Wissenslücken ihrer behandlenden Ärzte zu erklären.

Auch volkswirtschaftlich gesehen ist es ein Wahnsinn wie viel Geld die Krankenkassen wegen den Überdiagnosen und Übertherapien jedes Jahr bezahlen müssen. Nicht nur die Borrelienserologie auch diverse andere Serologien (Chlamydien, Candida,...) sollten nur von Spezialisten angefordert werden dürfen.

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Fr

24

Jun

2016

Zecken untersuchen lassen jetzt möglich

Vollgesogene Zecke, (c) Felix Abraham via CC von Wikipedia
Vollgesogene Zecke, (c) Felix Abraham via CC von Wikipedia

Wie entferne ich die Zecke am besten?

Entfernen sie die Zecke vorsichtig mit einer Pinzette, möglichst hautnah greifen und mit einem einfache Zug herausziehen. Nicht drehen und kein Öl auftragen. Die Zecke in einem sauberen Behältnis aufbewahren, zB in einer Filmdose (falls sowas noch vorhanden ist).

 

Es sind Teile der Zecke in der Haut geblieben?

Dies kommt häufig vor und ist meist harmlos. In den meisten Fällen stößt der Körper, die in der Haut verbliebenen Stichwerkzeuge der Zecke ab oder kapselt sie ein. In letzterem Fall kann lebenslang ein kleiner tastbarer Knoten verbleiben, dies hat jedoch keinen Krankheitswert.

 

Die Haut ist nach dem Zeckenbiss gerötet

Eine Rötung der Haut bei einem Zeckenbiß und auch nach dem Entfernen der Zecke ist häufig. Dies entsteht durch den Fremdkörper und durch die mechanische Reizung. Dies kann auch einige Tage nach dem Entfernen der Zecke bestehen bleiben. Auf keinen Fall ist erst nach so kurzer Zeit eine Borreliose (Wanderröte) zu sehen.

 

Keine Zeckenimpfung, was tun?

Fall sie eine aufrechte (alle 5 Jahre aufgefrischte) FSME Impfung haben, ist diesbezüglich nichts weiter zu tun. Dann besteht ein sicherer Schutz gegen FSME.

Sollte die letzte Impfung länger her sein, wenden sie sich bitte an ihren Hausarzt oder an uns. 

 

Wo kann man die Zecke untersuchen lassen?

Momentan läuft eine Studie auf der Medizinischen Universität Wien. Die Zecken dürfen höchstens vor 7 Tagen entfernt worden sein. Es werden mehrere Tests mit der Zecke, aber auch mit dem "Opfer" durchgeführt.  Diese Untersuchungen sind gratis.

 

-->  Nähere Infos über diese Studie finden sie HIER.

 

 

 

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So

31

Jan

2016

Test auf Zikavirus

Seit Kurzem ist bei uns ein Test auf Zikaviren möglich. Unser Labor kann sowohl einen direkten Erregernachweis im Blut, als auch eine Serologie durchführen. Wichtig ist bei fieberhaften Erkrankungen nach einem Süd- oder Mittelamerikaaufenthalt, auch andere Krankheiten wie Malaria, Denguefieber oder Chikungunyafieber zu berücksichtigen.

Leider ist das Testergebnis der Zikavirusserologie in manchen Fällen schwer zu interpretieren, da es zu falsch positiven Ergebnissen durch andere Infektionskrankheiten und auch durch durchgeführte Impfungen kommen kann.

Im Harn kann man bis zu zwei Wochen nach Krankheitsbeginn durch PCR Tests das Zikavirus nachgewiesen werden.

 

 

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Mi

26

Aug

2015

Zwei Fälle von Dengue in Frankreich

Vor wenigen Tagen wurden zwei Denguefieberfälle in Südfrankreich gemeldet. Beide Patienten wohnen in einem gemeinsamen Haushalt und keiner der Betroffenen war in letzter Zeit in einem Denguefiebergebiet. Daher handelt es sich definitiv um eine Dengueübertragung innerhalb Frankreichs. Beide Patienten sind bereits wieder gesund.

Es kommt regelmäßig vor, dass es in Europa (Frankreich, Spanien, Kroatien) zu vereinzelten Übertragungen von Denguefieber kommt. Das Virus ist dabei auf eine spezielle Mückenart (Aedes ssp.) angewiesen, welche in einigen Gebieten Europas heimisch geworden ist.

Es ist auch anzunehmen, dass die gemeldeten Fälle nur die Spitze des Eisberges darstellen. Ein Großteil der autochtonen (= in Europa erworbenen) Fälle von Denguefieber werden nicht erkannt. Oft besteht nur für wenige Tage ein "grippaler Infekt", sodass keine weiteren diagnostischen Schritte eingeleitet werden.

Inzwischen gibt es seitens der EU große Anstrengungen europaweit die diversen Mosquitoarten zu identifizieren und in einer Datenbank den aktuellen Stand der Verbreitung zu publizieren. 

Es gibt mehrere Tropenkrankheiten, die durch sogenannte invasive Mücken (= Mückenarten, die an und für sich in Europa nicht heimisch sind) übertragen werden können:

  • Malaria
  • Denguefieber
  • Chikungunyafieber
  • Gelbfieber

 

 

(c) ECDC/Vectornet
(c) ECDC/Vectornet

Hier ist die aktuelle Verbreitungskarte von Aedes albopictus, bei uns auch als Asiatische Tigermücke bekannt. Auffallend ist die Etablierung der Art an der kompletten europäischen Mittelmeerküste inkl. ganz Italien. In diesen Gebieten muss auch mit größeren Ausbrüchen von Denguefieber und Chikungunyafieber gerechnet werden.

In Österreich sind in den letzten Jahren nur vereinzelt Funde von Aedes ssp. gemeldet worden, daher ist es momentan unwahrscheinlich, dass es in Österreich zu einer Denguefieberansteckung kommen kann. Inwieweit sich dies im Rahmen der Klimaerwärmung ändern wird, ist unklar.

So

19

Apr

2015

Mein Malariaposter am Österreichischen Infektionskongress in Saalfelden 2015

Wie viele Jahre nach einem Tropenaufenthalt muss man noch mit einer Malaria tropica rechnen? Ein Fallbeispiel.   

Abstract - Fallbericht


Ein 24­-jähriger Patient nigerianischer Herkunft wird wegen eines fieberhaften Infektes in unserer Notfallambulanz vorstellig. Er gibt an, seit drei Tagen Fieber und Krankheitsgefühl zu haben. Neben 39,1°C Körpertemperatur ist im Labor auch eine deutliche Thrombopenie (41 G/l) auffällig. Wegen der in den Medien aktuellen Ebolaepidemie wird umgehend ein Tropenmediziner beigezogen. Obwohl der Patient angibt, zuletzt vor über drei Jahren in Afrika gewesen zu sein, wird eine Malariadiagnostik durchgeführt, welche positiv auf Pl. falciparum ist. Der weitere klinische Verlauf ist unauffällig, die Therapie der unkomplizierten Malaria tropica erfolgt mit Malarone®.


Wegen der ungewöhnlich langen ,,Inkubationszeit“ wurde von uns eine Literaturrecherche durchgeführt. Eine so späte Manifestation einer Malaria tropica ist bis jetzt nur in wenigen Einzelfällen publiziert worden. Es zeigte sich auch, dass in diversen Guidelines bezüglich der Diagnostik der Malaria auf die Möglichkeit einer Rekrudeszenz nach vielen Jahren nur unzureichend hingewiesen wird.

Diskussion


Die Inkubationszeit einer Malaria tropica beträgt im Allgemeinen 8-14 Tage, längere Zeiten kommen insbesondere nach einer (insuffizienten) Malariaprophylaxe vor. Inkubationszeiten von über 2 Monaten sind sehr selten. Monate- und jahrelange Latenzen bis zur Symptomatik sind bei der Malaria tertiana häufig und durch die „Dauerformen“ in der Leber (Hypnozoiten) begründet. Auch bei der Malaria quartana sind Rekrudeszenzen bis zu mehreren Jahrzehnten dokumentiert. Bei der Malaria tropica, deren Erreger keine Hypnozoiten in der Leber bilden, sind Rekrudeszenzen nach Jahren nur in Einzelfällen beschrieben. Publiziert wurde ein Fall, bei dem es erst 9 Jahre nach Verlassen des Endemiegebietes zum Ausbruch der Erkrankung kam.


In manchen Publikationen wird auch von einer „chronic falciparum malaria“ gesprochen. Die typischen Symptome sind, neben einer chronischen Anämie und Thrombopenie, ein Hypersplenismus und  bei manchen Patienten auch wiederkehrende Krankheitssymptome wie Fieberschübe, Krankheitsgefühl oder Schüttelfrost, welche jedoch von alleine wieder sistieren. Eine Eigenheit dieser Infektion ist die sehr niedrige Parasitendichte, wodurch die Infektion leicht übersehen werden kann. Hier sind speziell für nicht geübte Laboratorien Antigenschnelltests und PCRs hilfreich.


Offen bleibt, wo sich die Malariaparasiten über Jahre hinweg „verstecken“. Am wahrscheinlichsten hierfür ist eine stetige, sehr niedrige Parasitämie, welche möglicherweise auf eine (fast) erfolgreiche Clearance durch das Immunsystem zurückzuführen ist.


Da eine „versteckte“ Malariainfektion bei Blutspenden risikoreich ist, sind die Kriterien für Spender beim Roten Kreuz klar geregelt:

Personen, die in einem Malariagebiet geboren oder aufgewachsen sind bzw. sich länger als drei Jahre aufgehalten haben, unterliegen einem permanenten Ausschluss“.


In deutschsprachigen Richtlinien der Malariadiagnostik wird auf die Möglichkeit einer jahrelangen „Inkubationszeit“ einer M. tropica hingewiesen, während dies in angloamerikanischen Guidelines nicht erwähnt wird.

Gründe für einen „Malariarückfall“

Reinfektion

Relapse (Pl. vivax und ovale)

Rekrudeszenz (Pl. falciparum und malariae)

Risikofaktoren für eine späte Rekrudeszenz 

Viele frühere Malariainfektionen/Semiimmunität

Alter

Sichelzellanämie

Genetische Faktoren: Mensch - Plasmodium?

Insuffiziente Behandlung

Zusammenfassung


Speziell bei Migranten aus einem Malariaendemiegebiet muss noch nach Jahren mit einer Rekrudeszenz einer Malaria tropica gerechnet werden.

Literatur:


Benjamin P Howden et al, Chronic falciparum malaria causing massive splenomegaly 9 years after leaving an endemic area, Med J Aust 2005; 182 (4): 186-188

Greenwood T et al, Febrile Plasmodium falciparum malaria 4 years after exposure in a man with sickle cell disease. Clin Infect Dis. 2008 Aug 15;47(4):e39-41

Collins WE et al, A retrospective examination of sporozoite- and trophozoite-induced infections with Plasmodium falciparum: development of parasitologic and clinical immunity during primary infection, Am J Trop Med Hyg. 1999 Jul;61(1 Suppl):4-19


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Mi

09

Jul

2014

Chronische Borreliose - Arzneitelegramm 7/14

Im aktuellen Heft des Arzneitelegramm ist ein ausführlicher und ausgezeichneter Artikel zum Thema Borreliose zu lesen.  Neben der aktuellen Datenlage bezüglich Diagnose, Klinik und Therapie nimmt diese pharmaunabhängige Zeitschrift ausführlich zum Thema "chronische Borreliose" Stellung:

 

Der Begriff "chronische Borreliose" wird unterschiedlich gebraucht, in Europa teilweise für Spätmanifestationen der Erkrankung.... Besetzt wird der Begriff aber vor allem von einer Bewegung außerhalb der Schulmedizin, und er bezeichnet hier eine Erkrankung die es nach wissenschaftlichen Maßstäben gar nicht gibt. Die Lyme-Borreliose sei danach eine häufig unheilbare Erkrankung, die hauptsächlich unspezifische Symptome wie chronische Schmerzen oder Müdigkeit hervorruft, trotz chronischen Verlaufs seronegativ sein kann und die einer monate- oder jahrelanger Antibiotikatherapie bedarf. Patienten mit unspezifischen, somatisch nicht hinreichend erklärten Beschwerden, aber auch mit chronischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose wird so trotz fehlender entsprechender klinischer oder serologischer Befunde eine chronische Borrelieninfektion attestiert. Ärztliche Lyme-Aktivisten nutzen für die Pseudodiagnose unter anderem nichtvalidierte Tests wie etwas den LTT (Lymphozytentransformationstest), ein zwar grundsätzlich etabliertes Verfahren, das aber wegen der geringen Spezifität nicht zur Diagnose der Lyme-Borreliose geeignet ist.

Verfechter der "chronischen Borreliose" haben Gesellschaften wie die "Deutsche Borreliose-Gesellschaft", Stiftungen und Selbsthilfegruppen gegründet. Sie halten Kongresse ab, haben ihre eigenen Leitlinien entwickelt und fördern ihre eigene Forschung. Sie verbreiten Desinformation vor allem im Internet. Mit breiter politischer Lobbyarbeit kämpfen sie für die öffentliche Anerkennung der "verschwiegenen Epidemie" und vermeintlichen Verbesserung der Therapie für die vielen Betroffenen. Überdiagnosen und Übertherapien sind bei Lyme-Borreliose auch wegen des von Lyme-Aktivisten verbreiteten verzerrten Bildes einer chronischen Erkrankung ein Problem. Die Mehrzahl zumindest der Patienten, die mit der Verdachtsdiagnose in spezialisierten Zentren überwiesenen werden, hat gar keine Borreliose."

 

Es ist für mich als Schulmediziner erschreckend, wie selbst auf Universitäten ausgebildete Akademiker wie Hausärzte und andere Fachärzte es gelegentlich nicht schaffen Schulmedizin von "Schamanismus" zu unterscheiden. Ein nicht geringer Teil meiner täglichen Arbeit besteht daraus, den vermeintlichen Borreliosepatienten die Wissenslücken ihrer behandlenden Ärzte zu erklären.

Auch volkswirtschaftlich gesehen ist es ein Wahnsinn wie viel Geld die Krankenkassen wegen den Überdiagnosen und Übertherapien jedes Jahr bezahlen müssen. Nicht nur die Borrelienserologie auch diverse andere Serologien (Chlamydien, Candida,...) sollten nur von Spezialisten angefordert werden dürfen.

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