Malariaprophylaxe oder nur stand-by?

"Muss ich wirklich jeden Tag Malarone nehmen?"

Diese Frage müssen wir Tropenmediziner bzw. Reisemediziner fast jeden Tag beantworten. Und zugegeben: ob man täglich Malariatabletten schluckt oder nur die Notfalltabletten im Rucksack bei sich führt ist keine einfache Entscheidung. Oder doch?

Zuerst aber möchte ich einige Fakten aufzählen. Diese sollten jedem Reisenden bewusst sein um die richtige Entscheidung bezüglich Malariaprophylaxe treffen zu können:

Malariaprophylaxe? Die zehn Fakten die sie wissen sollten

1. Malariatabletten sind besser als ihr Ruf. Zum Beispiel wird Malarone ausgezeichnet vertragen, Nebenwirkungen sind nur sehr selten.

 

2. In vielen Urlaubsregionen ist die Malariagefahr in den letzten 20 Jahren deutlich zurückgegangen. Dies gilt zum Beispiel für das Amazonasgebiet aber auch für viele Urlaubsdestinationen SO-Asiens.

 

3. Malaria ist nicht gleich Malaria. Speziell im tropischen Afrika ist die Malaria tropica die vorherrschende Art. Diese kann binnen weniger Tage zu einer sehr schweren Erkrankung führen. 

 

4. Wenn sie mit einer Reisegruppe unterwegs sind und sie an Malaria erkranken, können sie möglicherweise für einige Tage nicht weiterreisen.  Werden sie zurückgelassen oder muss die ganze Gruppe bleiben?

 

5.  Die Weltgesundheitsorganisation hat mehrfach in Studien festgestellt, dass speziell in Afrika viele gefälschte Malariatabletten in Umlauf sind. Sich auf lokale Medikamente zu verlassen ist aus meiner Sicht eine ganz schlechte Option.

 

6. Der Ausbildungsstandard der Ärzte in den tropischen Ländern ist generell schlecht. Sich darauf zu verlassen, dass ein indischer Arzt in einem kleinen Dorf mit seinem billigen Mikroskop die Malariaerreger identifizieren kann, ist aus meiner Sicht sehr mutig.

 

7. Während eines Malariaschubes kommt es auch häufig zu Magen-Darm-Beschwerden. Nicht selten werden Tabletten gegen Malaria sofort wieder erbrochen. Was dann?

 

8. Mit maximalem Schutz vor Mosquitos (Repellents, Imprägnierung der Kleidung, Mosquitonetz, langärmlig,...) kann man einen bis zu 90%igen Schutz gegen von Mücken übertragbaren Krankheiten erreichen. Nur aus eigener Erfahrung weiss ich, dass man im Laufe der Zeit immer lockerer mit diesen Methoden umgeht. Wer geht schon gerne am abend bei 30 Grad mit langen Hosen und langärmligem T-Shirt zum Abendessen?

 

9. Malaria kann ein Laie (und um ehrlich zu sein auch ein Tropenmediziner) nur sehr schwer an sich selber diagnostizieren. Ob Malaria, Denguefieber, Lungenentzündung oder Influenza: Man hat sehr hohes Fieber und fühlt sich krank. Wenn man die Malarianotfalltabletten einnimmt und es ist doch eine Lungenentzündung, was dann? Sicherheitshalber noch Antibiotika dazu einnehmen?

 

10. Malariatabletten sind angeblich teuer und haben viele Nebenwirkungen. Das stimmt so auch wieder nicht. Beispielsweise ist Doxycyclin sehr günstig und dabei hoch wirksam. Natürlich haben alle Malariamedikamente spezielle Vor- und Nachteile. Und genau die gilt es mit einem Tropenmediziner zu besprechen.

 

Die Beratung ist wichtig

Um den Reisenden gut beraten zu können möchte ich von ihm mehrere Sachen wissen:

 

1.  Welches Gebiet bereist er? Hohes oder niedriges Risikogebiet?

2.  Wie weit entfernt er sich von Krankenhäusern wo eine schwere Malaria richtig behandelt werden könnte?

3. Wie lange dauert die Reise?

4. Gibt es neben dem Alter des Reisenden noch andere Faktoren die eine Malaria rasch gefährlich machen könnte wie z.B. eine Immunschwäche?

5. Finanzielle Möglichkeiten des Reisenden.

Um es kurz zu fassen: Der Reisende muss selber entscheiden wie er sich vor Malaria schützen will. Meine Aufgabe ist es ihn dabei zu unterstützen und ihn über alle Fakten und Eventualitäten aufzuklären.

 

Aus meiner Sicht aber sollte in Gebieten mit hohem Malariarisiko und schlechter medizinischer Versorgung (z.B. Kenia oder Tansania) eine durchgehende Malariaprophylaxe eingenommen werden.

 

Speziell für Langzeitaufenthalte oder bei Reisen mit Kleinkindern oder Schwangeren ist eine ausführliche Malariaberatung unbedingt notwendig. Aber auch Reisende in entlegene Gebiete (Dschungeltour oder Safari) sollten einen Tropenmediziner vor der Abreise konsultieren.

 

 

Gerne beraten wir Sie in unserer Tropenordination in Wien ausführlich. Machen sie sich einen Beratungstermin aus.

 

 


Autor: Marton Széll

 

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